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Vom Industriepionier zum Elektrokonzern -
100 Jahre ELIN

1. Franz Pichler und seine Familie Einer der Pioniere der österreichischen Elektrowirtschaft war Ing. Franz Pichler, der am 18.02. 1866 in Weiz geboren wurde. Er gründete 1892 die "Franz Pichler Werke" in Weiz und legte damit den Grundstein für den später weltumspannenden Industriekonzern ELIN. Eine seiner größten Leistungen war die Konstruktion des ersten Zweiphasen – Wechselstromkraftwerkes der k.u.k. Monarchie neben zahlreichen Patente, wie zum Beispiel das Kühlrippenpatent.
2. 1887 – 1892:
Vorgschichte und Gründung
eines Unternehmens
Nachdem Franz Pichler sein technisches Studium beendet hatte, begann er die Planung und Errichtung des ersten Mehrphasenkraftwerkes der österreichischen Monarchie. Am 3. Oktober 1892 erhielt Franz Pichler die Konzession zur gewerbsmäßigen Erzeugung elektrischer Maschinen und zur Errichtung von Fremdanlagen. In dieser Zeit wurden bereits Vernickelungsdynamos und Gleichstrom-Nebenschlußdynamos in der ersten Werkstätte in der Birkfelderstraße erzeugt.
3. 1892 – 1900:
Die "Weizer Elektrizitätswerke
Franz Pichler & Co."
Da 1897 Ing. Pichler der Eigenkapitalmangel große Schwierigkeiten bereitete, trat Ing. Cornel Masal in das Unternehmen ein. Durch die Kapitalzufuhr war der Bau der ersten 350 m² großen Farikshalle möglich. So entwickelte sich der Betrieb zu einem expandierenden Gewerbebetrieb mit Außenbüros und –posten im aufstrebenden Technologiezweig Elektrizität.
4. 1900 – 1908:
Die Verbindung mit der Gesellschaft für elektrische Industrie
Durch den Konkurrenzkampf mit den damals schon großen Konzernen wie Siemens und AEG, hielt die finanzielle Stärkung durch die Einlage Ing. Masals nicht an. 1900 trat daher die "Gesellschaft für elektrische Industrie" mit Sitz in Wien als stiller Teilhaber in das Unternehmen ein. Durch die neue Verbindung entstanden Verkaufsbüros in Wien und gleichzeitig begann man den weiteren Ausbau der Fabrik Weiz. Damit war auch die Anschaffung neuer Maschinen und Werkzeuge verbunden, die zu technischen Höchsleistungen, wie zum Beispiel 800kW-Generatoren, mehrpolige Gleichstrommaschinen und Kühlrippenpatent, beitrugen.
5. 1908 – 1914:
Die Entstehung der Aktiengesellschaft
Da Ing. Pichler als privater Unternehmer nicht die Möglichkeit hatte, das Eigenkapital durch die Ausgabe von Aktien zu vergrößern, entschloß er sich 1908 zur Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Durch die Einordnung in ein größeres Wirtschaftspotential entwickelte sich das Unternehmen weiterhin sehr positiv. Zu dieser Zeit verfügte die ELIN, vom elektrischen Maschinen- und Schaltgerätebau bis zur Traktions- und Schweißtechnik, bereits über ein breites Leistungsspektrum.
6. 1914 – 1918:
Das Unternehmen im Ersten Weltkreg
Während vor dem Krieg die Privatwirtschaft als potenter Käufer von Motoren und Maschinen auftrat, wuchsen nun die Aufträge von staatlichen Institutionen und die Fabrik stellte sich immer mehr auf die Rüstungsproduktion um. Neben der Herstellung von Geschossen, Motoren und Transformatoren für die k.u.k. Armee, erhielt die ELIN auch einen Geheimauftrag für elektrische Einrichtungen von U-Booten. In dieser Zeit erfolgte außerdem der Bahnanschluß der Fabrik, was sich sehr günstig auf den bis dahin mühseligen Transport zum Bahnhof auswirkte.
7. 1918 – 1931:
Das Unternehmen in der Nachkriegszeit
Trotzdem die Gesellschaft durch die Zerschlagung der österreichisch-ungarischen Monarchie von einem Großteil der bisherigen Absatzgebiete abgeschnürt wurde, konnte das Unternehmen die Erschütterungen des Krieges überstehen, ohne den Betrieb jemals eingestellt haben zu müssen. Der ELIN kam weiters der intensive Ausbau der heimischen Energiequellen (insbesondere Wasserkraft) zu Gute, und so kam es zu zahlreichen Neuerwerbungen und Beteiligungen mit Unternehmen, die später Teile des weltumspannenden Konzerns wurden. Ein sehr betrübliches Ereignis war 1919 der frühe Tot Ing. Franz Pichlers. Als sein Nachfolger übernahm Ing. Emanuel Rosenberg, der unter anderem durch die Erfindung der Querfeld-Schweißmaschine bekannt wurde, die Leitung des Unternehmens.
8. 1931 – 1938:
Krisenzeiten
Durch den Börsenkrach vom 24. Oktober 1929 stand auch die ELIN unter dem Einfluß der Weltwirtschaftskrise. Die Mittel der Bekämpfung dieser Entwicklung waren eine doppelt verstärkte Aquisitition, die Verbilligung der Endprodukte durch technisch konstruktive Verbesserungen und Sparsamkeit auf allen Gebieten, sowie große Vorsicht bei der Erteilung längerer Warenkredite. Erst die Belebung der Weltwirtschaft ab 1936 bewirkte eine Steigerung der Gewinne und Umsätze der ELIN. In dieser Zeit wurde in der Apparatefabrik der ELIN die Produktion von Elektroherden aufgenommen und ein neuer Kurzschlußläufermotor entwickelt, der unter dem Namen "Robax-Motor" bekannt wurde.
9. 1938 – 1945:
Das Unternehmen vom "Anschluß"
bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs
Nach dem "Anschluß" Österreichs an das "Deutsche Reich" 1938 kam es im Zuge der Arisierung durch die Nationalsozialisten zur einer vollständigen Umbesetzung der Weizer und Wiener Direktion. Als einer der nächsten Schritte wurde die ELIN mit der deutschen Schorch-Werke AG im Rheinland verschmolzen, wodurch sich Änderungen in der Organisation und in der Fabrikation ergaben, die sich nicht sehr günstig auf das Unternehmen auswirkten. Im sozialen Bereich wurden durch Ausbau der Fabrik, den sozialen Wohnbau, Arbeitsverbesserung und verstärkte Sozialleistungen große Fortschritte gemacht. Mit dem Beginn den zweiten Weltkriegs stellten sich große Rüstungsaufträge wie Aufträge für U-Boot Ausrüstungen, Motoren, Transformatoren und Schweißumformer für Marinen und Heer ein.
10. 1945 – 1959:
Die Verstaatlichung der Elin.
Bei Kriegsende befand sich das Unternehmen in einer trostlosem Zustand. Nachdem in Weiz die russische Besatzungsmacht fast alle Maschinen und Werkzeuge abtransportiert hatte, ging man unter Dr. Ing. Karl Widdmann, der die Leitung der Fabrik übernahm, an den Wiederaufbau der Fabrik. 1946 wurde die ELIN verstaatlicht und die Fabrik in Penzing, Ottakring und Weiz gingen in das Eigentum der Republik über. Die restlichen Fabrikationsstätten führten bis zu ihrer Rückgabe 1955 als USIA-Betriebe ein Art Eigenleben unter der Verwaltung der russischen Besatzungmächte. Durch Neuorganisation und Auslandskredite war die ELIN bald wieder in der Lage bedeutende Großprojekte auszuführten, wie zum Beispiel das Kraftwerksprojekt Glockner-Kaprun, das zum Großteil auf die Leistung der ELIN zurückgeht.
11. 1959 – 1969:
Die erste Etappe der Reorganisation
der verstaatlichten Industrie
1959 wurde der erste Schritt zur branchenmäßigen Zusammenfassung der verstaatlichten Elektroindustrie gemacht, indem die AEG-Union mit der ELIN unter dem Namen "ELIN-UNION AG für elektrische Industrie" fusioniert wurde. Auf die Fusionierung folgte eine Staffung und ein weiterer Ausbau der Produktionsstätten des Konzerns, sowie der Neubau des zentralen Verwaltungsgebäudes in Penzing. Trotzdem hatte die ELIN bereits mit großer Konkurrenz im In- und Ausland zu kämpfen, der die ELIN zwang so billig wie möglich die größmöglichste Leistung zu erzielen. Dies bedeutete, daß knappest kalkuliert wurde und trotzdem noch genügend Mitteln für Neuanschaffungen und für eine rationelle Fertigung frei sein mußten, was natürlich auch Lohnkosten einsparen half. Die Lust der Großkunden zur Investitionen war gehemmt und Produktionsumstellungen wurden notwendig, da in manchen Fertigungsbereichen die Leistungsfähigkeit der ELIN-UNION-Betriebe nur teilweise ausgenutzt wurde.
12. 1969 – 1977:
Die zweite Etappe der Reorganisation
der verstaatlichten Industrie
1967 und 1971 wurden Verträge mit dem Siemens-Konzern abgeschlossen, die neben einer Aufteilung des Erzeugungsprogrammes auch gegenseitige Belieferung und Zugang zu Lizenzen vorsahen, was zu einer Interessens- und Produktionsbereinigung auf dem Starkstromsektor führte. Nach der Durchführung aller Verschmelzungsvorgänge und Fusionierungen standen sich innerhalb der verstaatlichten Industrie nur mehr zwei Konzerne gegenüber: die ELIN-UNION AG und die Siemens Österreich AG. In der Folge wurde ein großes Sanierungsprogramm gestartet, das die Zusammenlegung der Wiener-Betriebsstätten in das Werk Wien-Floridsdorf und den Ausbau der Fabrik Weiz vorsah. Gleichzeitig wurden unrentable Produktionszweige aufgelassen. So entwickelte sich die ELIN zum größten österreichischen Unternehmen auf dem Starkstromsektor, das auf fast allen Gebieten der Elektrotechnik, die Elektronik eingeschlossen, tätig war.
13. 1977 – 1992:
Expansionsphase und Konzernbildung
Der starke Anstieg der Erdölpreise Anfang der achziger Jahre führte zu einem weltweiten Konjunktureinbruch, was in der verstaatlichte Industrie durch starke Geschäftseinbrüche bemerkbar wurde. Der enorme Konkurrenzdruck, der Verlust von Marktanteilen, steigende Kosten bei sinkenden Erträgen und die geringe Investitionstätigkeit in der gewerblichen österreichischen Wirtschaft zwangen zu einem Überdenken der unternehmerischen Zielsetzungen in der ELIN. Zur Gesundung des Konzerns und auch im Zeichen der neuen Marktbedürfnisse kam es 1989 zu einer Neuordnung der ELIN-UNION AG. So wurde in zwei neue Gesellschaften divisionalisiert: Die Elin Energieversorgung Ges.m.b.H. (EEV) und die Elin Energieanwendung Ges.m.b.H. (EEA) und eine Service Ges.m.b.H. In den nachfolgenden Jahren vollzogen sich noch weiterer geringfügige Änderungen innerhalb der Organisation, wobei die Elinversorgung heute mit einer Reihe von Tochtergesellschaften ein Teilkonzern der börsennotierten VA TECH Konzern ist.

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